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Aktuelles

Bericht über die Corona-Situation in Guatemala (von Christian Stich, Leiter des Proyecto Ija'tz)

September 2020

In Guatemala dauert die Corona-Pandemie nun schon mehr als 6 Monate an. Der erste Fall wurde am 13. März bestätigt, bis jetzt (24.9.) sind in Guatemala laut offizieller Statistik 87.933 Menschen an Covid-19 erkrankt und 3.170 daran gestorben. Damit scheint Guatemala auf den ersten Blick im Vergleich zu Ländern mit vergleichbarer Einwohnerzahl (ungefähr 17 Mio.) besser davon gekommen zu sein: In den Niederlanden z.B. wurden bis jetzt 101.000 Infizierte und 6.300 Tote verzeichnet und in Ecuador sogar 130.000 Infizierte und 11.200 Tote. Auf den zweiten Blick wird jedoch deutlich, dass die Dunkelziffer in Guatemala sehr hoch ist. Es werden nur sehr wenige Tests pro Tag durchgeführt, zur Zeit nur etwa 2.000, manchmal sogar weniger. Ein Großteil der Tests wird in und um die Hauptstadt durchgeführt, der Rest in einigen wenigen Provinzhauptstädten. Wir hören aus den Dörfern unserer StipendiatInnen, dass viele Menschen mit (leichten) Symptomen lieber zu Hause bleiben und keinen Arzt ode kein Gesundheitszentrum aufsuchen und daher von keiner Statistik erfasst werden. Die Armut und die oft weiten Wege zu Ärzten und Gesundheitsstationen führten bereits vor Corona dazu, dass viele Menschen kaum oder oft zu spät medizinische Hilfe aufsuchten. Diese Scheu vor staatlichen Einrichtungen ist durch die soziale Stigmatisierung bei Covid noch verstärkt worden. Die Verstorbenen werden zum Teil nachts in aller Stille und unter Ausschluss der Öffentlichkeit beigesetzt. Noch immer besteht eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 4 Uhr.

Die Regierung versucht seit über einem Monat das öffentliche, vor allem aber das wirtschaftliche Leben wieder in Gang zu setzen. Nach und nach wird der öffentliche Nah- und Fernverkehr wieder in Betrieb genommen. Die wirtschaftlichen Folgen des monatelangen, durch Corona bedingten Stillstandes, übersteigen die medizinischen um ein Vielfaches. Die Armut und der Hunger haben deutlich zugenommen, viele Familien wissen nicht, wie sie über die Runden kommen sollen. Vor einigen Tagen war in der größten Tageszeitung “Prensa Libre” zu lessen, dass 40% der guatemaltekischen Familien eine Mahlzeit pro Tag weniger zu sich nehmen als noch vor der Pandemie. Zwei Drittel der Guatemalteken beklagt, dass die Einnahmen während der Pandemie auf weniger als die Hälfte der Vor-Corona-Zeit geschrumpft sind. Betroffen sind auch diejenigen, die vorher nicht unbedingt in extremer Armut lebten, zumindest nach guatemaltekischen Maßstäben, sondern die sich mit Hilfsjobs oder in der informellen Wirtschaft (z.B. als Hilfsarbeiter und Straßenverkäufer) mehr oder weniger über Wasser halten konnten und sprichwörtlich "von der Hand in den Mund lebten". Mit dem Wegfall ihrer täglichen Verdienstmöglichkeiten, mit denen vorher auch keine Ersparnisse erwirtschaftet werden konnten, rutschen sie sofort in die Existenznot ab. Ein staatliches soziales Netz gibt es in Guatemala nicht.

Seit dem 16. März sind in Guatemala alle Schulen sowie die Universitäten geschlossen. Wo es möglich war, wurde der Unterricht bzw. die Vorlesung online fortgesetzt. Die wirtschaftliche Not vieler Familien hat unmittelbare Auswirkungen auf die Bildung ihrer Kinder. Das Bildungsministerium rechnet für dieses Jahr mit einer Schulabbrecherquote von mindestens 10%, da in vielen Familien kein Quetzal mehr für besondere Ausgaben übrig bleibt und noch mehr Kinder als vorher ihren Familien beim Lebensunterhalt helfen müssen. Der “Schulbetrieb” in Coronazeiten variiert sehr stark zwischen teuren Privatschulen und den staatlichen Schulen insbesondere auf dem Land. Man versucht zwar den Unterricht auf einen Online-Modus umzustellen, das setzt aber Internetzugang und die Beherrschung von Computern und virtuellen Lernprogrammen voraus, woran es gerade Kindern aus armen Familien mangelt, aber eben auch an entsprechenden Kenntnissen und Fähigkeiten der LehrerInnen. Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Universität Del Valle in Guatemala zeigt, dass nur jeder vierte Lehrer in Guatemala für die neue Form des Unterrichts ausreichend vorbereitet und ausgebildet war. Dies betraf vor allem die LehrerInnen in den staatlichen Schulen, die in dieser Studie überdurchschnittlich schlecht abschnitten. Den LehrerInnen in privaten Bildungseinrichtungen fiel es leichter, die Inhalte ihres Unterrichts in digitale und virtuelle Plattformen zu übertragen als den Kollegen in staatlichen Schulen.

Bei Proyecto Ija´tz versuchen wir unter diesen außergewöhnlichen und beschwerlichen Umständen unsere Arbeit so gut es geht weiterzuführen. Das Projektbüro ist zwar seit Mitte März geschlossen, und wir haben den normalen Bürobetrieb noch nicht vollkommen wieder aufnehmen können. Fast täglich führen meine Kolleginnen und ich über Zoom oder WhatsApp Gespräche mit StipendiatInnen. Dies ist auch deshalb notwendig, weil die Pandemie und die damit verbundenen Restriktionen Ängste schüren und bereits vorher bestehende emotionale Probleme verstärken. Wir beobachten dies bei einer Reihe von StipendiatInnen, die um psychologische Hilfe durch unsere Psychologin Annelisse Ordoñez ersuchen. Die Gründe liegen oft in der prekären Familiensituation, in Verletzungen oder Trauma aus der Vergangenheit. Das daraus resultierende sehr niedrige Selbstwertgefühl macht sie allgemein weniger Stress resistent. 

Alle unsere Studierenden haben das erste Semester 2020 an der Universität beendet und auch im zweiten Semester 2020 werden sie Online-Vorlesungen besuchen. Allerdings sind sowohl in den Schulen als auch an Universitäten alle Praktika vorerst abgesagt. Dies betrifft besonders hart die Absolventinnen und Absolventen in diesem Jahr, von denen man noch nicht mit Sicherheit sagen kann, ob sie -wie geplant- in diesem Jahr ihren Abschluss werden machen können. Bei den OberschülerInnen sieht die Situation in Bezug auf den Unterricht nicht ganz so einheitlich aus. Einige bekommen Online-Aufgaben und Arbeitsaufträge, andere haben Online-Unterricht und bei einigen wenigen fällt der Unterricht komplett aus. Das Benutzen von Portalen wie Zoom und Classroom sind inzwischen Standard. Das Bildungsministerium hat inzwischen entschieden, dass das Schuljahr 2020 nur über virtuellen Unterricht zu Ende gebracht werden soll und dass man das Schuljahresende etwas nach hinten verschiebt. Normalerweise ist Mitte Oktober das Schuljahr zu Ende, der Universitätsbetrieb reicht bis in den November hinein. Wir gehen aber davon aus, dass das Schuljahr bis in den Dezember fortgeführt werden wird. Dies bedeutet, dass wir in diesem Jahr für einen Teil unserer StipendiatInnen von einer Förderung von 11 oder gar 12 statt normalerweise 10 Monaten ausgehen müssen. Die monatlichen Stipendienbeträge unserer StipendiatInnen variieren sehr viel stärker als in Vor-Corona-Zeiten und liegen momentan im Schnitt etwas niedriger, als am Anfang des Jahres bemessen, da z.B. Fahrtkosten vollkommen entfallen.

Leider haben wir bei Proyecto Ija´tz auch unser erstes Opfer zu beklagen. Am 16. September starb unser Vorstandsmitglied Alba Velásquez an Covid. Sie wurde gerade mal 40 Jahre alt und hinterlässt drei Kinder im Alter von 8, 12 und 14 Jahre. Alba war seit 12 Jahren Schulleiterin der bilingualen Grundschule Ixmukané im Ort Tecpán, die seit einigen Jahren auch von Samenkorn e.V. unterstützt wird. Gerade einmal eine Woche lag zwischen ihrer Nachricht, dass sie an Covid erkrankt sei und ihrem Tod. Sie verbrachte die letzten Tage in einer Spezialkrankenhaus für Corona-Patienten in der Hauptstadt und wurde zum Schluss auf der Intensivstation künstlich beatmet. Ihr Tod hat uns alle sehr mitgenommen, denn Alba war eine besondere Persönlichkeit, eine Frau mit Führungsqualitäten und eine Streiterin für Kinderrechte, eine gute Bildung und die Erhaltung ihrer Maya-Kaqchikel-Kultur. Sie war eine herausragende Botschafterin und Brückenbauerin zwischen den Welten in Guatemala, aber auch darüber hinaus bei Reisen nach Deutschland, Spanien und Japan. Eine Woche nach ihr bekamen wir die Nachricht, dass auch ihr Bruder durch Covid gestorben ist.

Auch unsere ehemalige Stipendiatin Ana Cristina Pérez López, die im vergangenen Jahr ihren Abschluss als Krankenschwester gemacht hat und seither als Krankenschwester an einem Krankenhaus für krebskranke Kinder arbeitet, hatte sich im Juni mit Covid infiziert. Zum Glück hatte sie nur einen leichten Krankheitsverlauf und so hat sie die Erkrankung ohne größere Beschwerden in häuslicher Quarantäne überstanden. Ana Cristina war im vergangenen Jahr auch bei der Reise durch Deutschland dabei und in Mönchengladbach zu Besuch.

Noch immer ist ein Ende der Pandemie in Guatemala nicht absehbar. Experten mahnen, dass sich der Schwerpunkt der Infektionen von der Hauptstadt zunehmend in die Provinzen des Landes verlagern könnte. Viele Menschen ängstigt die ungewisse Zukunft, auch unter unseren StipendiatInnen. Aus diesem Grund müssen wir von Proyecto Ija´tz, trotz Abstandsregeln und Social Distancing, ganz nah bei den jungen Menschen sein, ihnen zuhören und mit Rat und Tat zur Seite stehen und Hoffnung geben. Es gibt Stimmen in Guatemala, die befürchten, dass durch den Einbruch der Wirtschaft, den Wegfall der Einnahmequellen und den sich ausbreitenden Hunger in vielen Familien, am Ende mehr Menschen zum Opfer fallen werden, als durch die Krankheit Covid-19 selbst. Der Ija´tz-Samen der Hoffnung auf eine bessere Zukunft durch Bildung ist gerade in diesen Zeiten der Covid-Pandemie für die Jugend Guatemalas notwendiger denn je.

Guatemala Stadt, im September 2020,

Christian Stich

Projektleiter Proyecto Ija´tz

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